Foto © Paul Mowatt, London
Andrea Muheim, 1968 in Zürich geboren und 2023 ebenda gestorben, war eine Malerin, deren Werk eine stille, eindringliche Sprache spricht. Sie studierte Kunst in Zürich und Bern und blieb zeitlebens ihrer Heimatstadt als Wohn- und Arbeitsort verbunden. Ihre Bilder kreisen um das Intime, das scheinbar Alltägliche: Gesichter, Räume, Landschaften, Körper. Nichts Lautes, nichts Spektakuläres – vielmehr ein genaues Hinschauen, ein tastendes Annähern, ein Verweilen.
Oft arbeitete sie seriell, kehrte zu Motiven zurück, wieder und wieder, als wollte sie aus den leisen Verschiebungen von Licht, Haltung oder Farbe das Wesen einer Szene herauslösen. Dieses insistierende Forschen verleiht ihren Gemälden eine besondere Intensität. Ein einzelnes Bild ist nicht immer abgeschlossen, oft steht es im Dialog mit anderen, ist Teil einer Folge, einer fortgesetzten Suche.
Auch die Erfahrung der Gegenwart griff sie auf: In Zeiten des Lockdowns entstanden «Skype-Porträts», schnelle, unmittelbare Annäherungen an Menschen, deren Nähe plötzlich fehlte. Es sind Arbeiten, die zeigen, wie sehr ihr Malen mit Leben verwoben war – mit dem Blick auf das Jetzt, auf die unmittelbare Realität, auch wenn sie still und unscheinbar erscheinen mochte.
Ihr Werk wurde vielfach ausgestellt, fand Eingang in Sammlungen, erhielt Anerkennung wie den KWS-Kunstpreis der Keller-Wedekind-Stiftung. Doch jenseits solcher Ehrungen bleibt vor allem die Haltung, mit der sie die Welt betrachtete: die Achtsamkeit, das geduldige Beobachten, das Vertrauen darauf, dass im Wiederholen und Variieren, im langsamen Sehen eine Wahrheit sichtbar wird.
Das Buch Malerei als Selbstgespräch, das 2022 erschien, versammelt mehr als 800 ihrer Gemälde und macht das Werden und Wandeln dieses künstlerischen Kosmos sichtbar. Dort zeigt sich, wie konsequent Andrea Muheim über Jahrzehnte hinweg ein Gespräch mit sich selbst und ihrer Umgebung geführt hat – in Farben, Formen, in Bildern, die leise sind und doch nachhallen.
So bleibt ihr Werk ein Vermächtnis der behutsamen Aufmerksamkeit: eine Einladung, das Nahe ernst zu nehmen, dem Stillen Raum zu geben und im vermeintlich Nebensächlichen die Poesie des Lebens zu entdecken.